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Erkundung Rennsteigrampen

Herzlich Willkommen zum Erkundungsbericht von


PT 22 Rennsteigrampen



Freitag, 08.02.

Um 07:30 Uhr ging es von Berlin aus auf Erkundung für die Rennsteigrampen. Eigentlich verlebt man seinen Geburtstag nicht unbedingt auf der Autobahn, aber das Wetter richtet sich nun mal nicht nach persönlichen Dingen. Ich brauchte nun mal so schnell wie möglich schnee- und niederschlagsfreie Bilder. Es würde ohnehin schon interessant werden, alles zu finden. Da muß man nicht auch noch unter dem Schnee wühlen, um alte Gleise, so noch vorhanden, zu entdecken.

Die Sonne strahlte wie im Sommer -- na gut, stellen wir uns einfach vor, es ist ein Kurzurlaub mit dienstlichem Charakter ;-)) Zunächst standen wieder mal 4 Sunden Autobahn auf dem Programm, dann war Erfurt Hbf erreicht. Natürlich war von dem heutigen Gleisbild schlichtweg nichts zu gebrauchen. Hier wurde kein Stein auf dem anderen gelassen. Von den ehemals 10 Durchgangs- und 9 Kopfgleisen blieben ganze 5 Gleise, 4 davon in Betrieb. Selbst die Bahnsteige wurden komplett verlegt. Wo heute die Bahnsteige 1 und 2 sind verliefen früher die Gütergleise. Wenigstens das alte Empfangsgebäude hatte überlebt.

Das alte Empfangsgebäude hat überlebt


hier hat die "moderne Bahn" ganze Arbeit geleistet

In Erfurt-Bischleben war ich schon "auf dem Land". Nur die Schmierereien an den Wänden und die spartanischen "Bahnsteigmöbel" kündeten von 2008. Ansonsten könnte man hier schon einen DDR-Film drehen. Was wird mich dann erst auf der weiteren Reise erwarten?
Ein Abstecher in das nahe Fabrikgelände brachte eine weniger erfreuliche Begegnung mit den Angestellten. Fazit: leider haben keine Bilder der alten Portalkräne überlebt.
Also weiter nach Neudietendorf. Oha, was war denn aus dem einst so riesigen Bahnhof geworden? Fünf Gleise, eines davon ohne Fahrdraht. Von den ausgedehnten Güteranlagen weit und breit keine Spur mehr. Dafür sprießt jetzt eine Wiese. Ähnlich erging es dem Oberbau-Hauptlager der RBD Erfurt. Hier kündet nur noch blanker Schotter von den ehemaligen Anlagen.

Querfeldein ging es weiter nach Sülzenbrücken. Was will man von einem Ort erwarten, der so heißt? Es ist schon verwunderlich, dass die Bahn überhaupt Bedarf in neuen Bahnsteigen sah. Andernorts wird so Haltepunkt einfach platt gemacht.
Die Fahrleitung bis Arnstadt ist schon in den 90'er Jahren abgebaut worden. Ich hatte nicht erwartet, noch alle Masten stehen zu sehen. Von weitem sah es so aus, als könne man immer noch mit einer Elok bis Arnstadt fahren. Soviel zu dem Wert, den die Bahn den Rohstoffen beimisst.
Weiter nach Haarhausen. Von weitem grüßen schon die "Drei Gleichen", allen voran die Wachsenburg. Selbstverständlich ist so eine Landmarke ein Muß für das Add-On.

Die Wachsenburg grüßt in der Abendsonne

Die tiefstehende Sonne verheißt nichts Gutes. Nun aber Tempo und weiter nach Arnstadt. Vieles von der alten Substanz ist hier noch erhalten, wenn sie auch nicht mehr genutzt wird. Von der einstigen Geschäftigkeit dieses Bahnhofes ist nichts mehr geblieben. Arnstadt ist eisenbahntechnisch wieder zu einem Provinznest geworden, wie es so viele an den heutigen Strecken der Bahn gibt. Der nächste Stop war in Arnstadt Süd. Viel konnte man hier nicht abbauen ohne die Strecke ganz stillzulegen, denn Arnstadt Süd war schon immer ein Haltepunkt.
Um 16:55 ist es nun endgültig aus mit Fotolicht. Schluss für heute und ab zum Quartier in Manebach. Im Dunkeln um 18:00 war ich dann im gemütlichen, schon daheim vorbestellten Zimmer.



Samstag, 09.02.

08:00 morgens.

Pfui Teufel ist das kalt. Seit Jahren stand mein Wagen im Winter wieder mal draußen und hatte nun eine dicke Eis- und Reifschicht. Daher war als Frühsport Scheibenkratzen angesagt. Irgendwie muss man ja merken, dass es eigentlich tiefer Winter ist.
Die strahlende Sonne, die jetzt über den Berghängen aufging, versprach einen schönen Tag. Auf gehts. Zunächst mal den Ort im Hellen erkunden. Gestern war es bei Ankunft ja schon stockdunkel. Ui, das ist ja mal ein netter Ort. Da könnte man doch glatt Urlaub machen. Aber zuerst zum Bahnhof.
Sieht der nicht wie geschaffen für die Modellbahn aus. Die typische Heimanlage Thema "Mittelgebirgsstrecke mit abzweigender Nebenbahn" und dazu dieses Empfangsgebäude. Schöne heile Welt.

Bahnhof Manebach

Die typischen schieferverkleideteten Wände geben den Orten in dieser Region ein unverwechselbares Aussehen. Inzwischen war die Sonne schon merklich höher geklettert. Nun reichte bereits ein dünner Pullover und eine Nylonweste. Haben wir jetzt wirklich Anfang Februar? Für eine Streckenerkundung soll es mir nur recht sein.

Blick auf Manebach

Nächste Station war Stützerbach. Auch hier ein ähnliches Bild. Wäre da nicht die blau umrahmte Bahnhofsuhr, man bräuchste nichts zu verändern um einen Film aus den 80'ern oder gar den 70'ern zu drehen. Die Zeit schien hier einfach stehen geblieben zu sein. Wo blieb denn die 118 mit der typischen Rennsteiggarnitur? Ach ja, die kommt nicht mehr -- nie mehr. Wir haben 2008.

Bahnhof Stützerbach


fertig für die Zeitreise in Stützerbach

Am Bahnhof Rennsteig gab es dann gleich zwei Überraschungen. Zum einen lag Schnee. Auf 747m Höhe und im Februar dann doch nicht soooo verwunderlich. Zum anderen wurde gerade das ehemalige Empfangsgebäude renoviert und trug nur eine Holzgrundierung hinter dem Stahlgerüst. So ein Mist. Das wars dann also mit der Textur. Sei's drum, ist eh' nicht zu ändern und eine Lösung wird sich schon finden.

Empfangsgebäude Rennsteig

In Schmiedefeld lag ebenfalls noch ein wenig Schnee, der sich zu einer letzten Vollversammlung am Bahnhof eingefunden hatte. So stapfte ich denn vorsichtig durch die verharschte Schicht zum Bahnhof. Glücklicherweise hatte der letzte vergessen, die Tür zu verschließen. So war der Zugang zu den "umfangreichen" Gleisanlagen kein Problem. Bald darauf spürte man sehr deutlich, dass es weiter rapide abwärts ging. Auch die letzten Schneereste waren in der eigentlich viel zu warmen Februarsonne verschwunden.
Gut, dass ich nach alten Unterlagen wusste, wo in etwa ich die Stationen zu suchen hatte. Ein Unkundiger wäre an dem alten Bedarfshaltepunkt Thomasmühle glatt vorbeigefahren. Immer tiefer führte der Weg hinab nach Schleusinger Neundorf. Und wieder umfing mich diese "heile Welt - Modellbahnromantik". Ein Bahnhofsgebäude, aus dem man am liebsten die Luft rauslassen möchte, damit es verkleinert und in jedem Detail auf die heimische Modellbahn passt.

Empfangsgebäude Schleusinger Neundorf

Gelegentlich hatte ich mir bei der Signalisierung schon gedacht, dass ich es mit den Geschwindigkeitsbeschränkungen übertrieben haben könnte. Doch dann fand ich am Bahnhof Schleusinger Neundorf dieses Schild. Da wusste ich, dass ich die Strecke eigentlich sogar noch etwas zu schnell gemacht hatte. Aber wer Blue Sky kennt, kennt auch unsere Philosophie: "Spielspass ... ". Und 10 km/h für eine ganze Ortsdurchfahrt ist sicher nicht jedermanns Sache.

Die Entdeckung der Langsamkeit im Original

In Hinternah öffnet sich das Tal der Nahe etwas und lässt sogar ein wenig Landwirtschaft zu. Ein starker Kontrast zu den eng eingeschnitten Tälern, durch die ich heute bereits gefahren war. Die Mittagssonne schien auf einen kleinen Weiler, in dem wieder mal die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Die extrem spartanischen Bahnhofsanlagen machten da keinen Unterschied. Eigentlich fehlten nur noch ein paar Kühe, die friedlich zwischen den Gleisen weideten. Aber wer weiß, vielleicht waren die ja blos zur Mittagspause .....

der Bahnhof Hinternah döst in der Mittagssonne

Immer wieder fuhr die Bahn sozusagen über die Hinterhöfe, hatte sich eine Schneise zwischen die Altansässigen geschlagen. Bei einer derartigen Streckenführung verwundert es nicht weiter, dass oftmals Schritt fahren angesagt war. Ich bin mal gespannt, ob ich diese Stimmung so auch im Add-On einfangen kann.

immer wieder über die Hinterhöfe

Den Haltepunkt Schleusingen Ost konnte man sicher auch schon leicht verfehlen, als er noch in Betrieb war. Um ein Haar wäre auch ich daran vorbei gefahren. Nun stand Schleusingen auf dem Programm. Waren hier auch auch schon die Bautrupps angerückt? Nichts dergleichen, alles noch so wie früher. Die Art der Güterwagen liess sogar darauf schliessen, dass Schleusingen heute noch regelmäßig im Güterverkehr bedient wird. Ein kleiner Lichtblick in dem durch Streckenstilllegungen so arg betroffenen Thüringen.

Bahnhof Schleusingen


Güterverkehr in Schleusingen

Ab jetzt wurde es richtig interessant. Fanden auf der Strecken über Schmiedefeld noch gelegentlich Sonderfahrten statt, so war die Strecke nach Suhl bereits seit 13 Jahren stillgelegt. Was würde ich nach so vielen Jahren noch vorfinden? Wären die Bahnhöfen überhaupt noch erkennbar? Erster Versuch in St Kilian. Nun ja, das Empfangsgebäude ( ähm: hüstel, hüstel ) stand noch, obwohl für diese kleine Bude ein simpler Vorschlaghammer und eine halbe Stunde Manpower vollauf gereicht hätten.
Weiter nach Erlau. Hier hatte die Natur schon fast den Kampf gegen die Technik gewonnen. Junge Bäume standen bereits zwischen den Schwellen. Das ehemalige EG wurde inzwischen als privates Wohnhaus genutzt. Lärmbelästigung gleich Null, denn es kam ja kein Zug mehr.

Natur vs. Bahn in Erlau

In Hirschbach sah es naturgemäß nicht anders aus. In ein paar Jahren werden möglicherweise die Umweltschützer Alarm schlagen, wenn die Bahn die Gleise abbauen will, da dann "wertvolle Baumbestände" mit vernichtet werden. Vielleicht sind die Gleise dann aber auch so eingewachsen, dass die Bahn sich selber nicht mehr daran erinnert, dort noch Gleise liegen zu haben.

morbider Charme in Hirschbach

Nächster Stop: Suhl-Friedberg. Ein Bahnhof mit Ausweichgleis kann ja nicht so schwer zu finden sein. Oh, doch. Denn diese Wiese hatte ich nun doch nicht für voll genommen, und war glatt daran vorbei gefahren. Gleisplanstudien sollte man hier nicht mehr betreiben wollen, es sei denn, man hat eine Motorsense dabei. Hier hatte die Natur bereits triumphiert. Na dann weiter nach Suhl-Neundorf. Oha, man konnte also noch eins draufsetzen. Hier fand ich nicht mal mehr den Zugang zum Haltepunkt. Was soll's, weiter nach Suhl. Hier hatte sich einiges verändert. Der einst so lächerlich schmale Zwischen- war einem Außenbahnsteig gewichen, die Gleise waren erneuert. Die Verbindungsweiche zur Friedbergbahn existiert nicht mehr. Ein Rückbau der Gleise der Friedbergbahn ist also, wenn überhaupt, nur noch von Schleusingen aus möglich. Möglicherweise findet sich aber auch jemand, der aus der verbliebenen Strecke eine Draisinenbahn für Bodybuilder macht. Dann hätte ich noch einen Vorschlag: am unteren Ende der Steilstrecken eine half-pipe -- "for a bit extra fun" ;-))

die Reste der Friedbergbahn in Suhl

Die Zeit drängt, weiter nach Suhl-Heinrichs. Jo, cool man. Hier hat die Bahn mal wieder modernisiert, und zwar gründlich. Vom alten Bahnsteig samt Dach keine Spur mehr. Da ist also improvisieren angesagt.
Macht nichts, auf nach Dietzhausen. Hey, was ist denn hier los? Es gibt doch tatsächlich noch einen Fahrdienstleiter. Ein kurzes Gespräch ergab: sein Arbeitsplatz fällt spätestens im November einem neuen Zentralstellwerk zum Opfer, wie auch die Ausweichgleise in Rohr, den nächsten Bahnhof. Wir haben uns noch kurz über den Sinn oder Unsinn von Ausweichgleisen speziell auf einer eingleisigen Strecke ! unterhalten (es gibt ja schliesslich keine Zugverspätungen oder Lokschäden sowie Heißläufer, vor allem nicht auf einer starken Gefällestrecke -- recht so, liebe DB AG), dann musste ich weiter nach Rohr. Hier empfing mich eine Dame, die lautstark forderte, weder sie noch ihren Pkw dürfe ich fotografieren. Warum wohl? Wo ihr Pkw doch so ordentlich auf dem Bahnsteig stand. Nun gut.
Folgerichtig wäre nun Grimmenthal dran gewesen. Doch die Sonne neigte sich schon wieder bedrohlich gen Westen. Ich erwartete in Meiningen eine Menge Fotomotive, die ich nicht im Halbdunkel vor die Linse bekommen wollte. So fuhr ich sofort nach Meiningen.
Hey, Überraschung: die neuen Bahnsteigmöbel weggedacht und hier ist noch alles beim Alten.
Manchmal fällt der Blick auch auf scheinbar belanglose Details, wie einen "ausgebeulten" Bahnsteig, für den es jedoch eine simple Erklärung gibt: lieber so als eine Delle im Lokkasten, wenn eine Lok über den Abzweig fährt und ausschwenkt.

Meiningen


ein scheinbar belangloses Detail, die verschwenkte Bahnsteigkante

Untermaßfeld erwies sich als ein banaler Haltepunkt, ganz so wie ich es erwartet hatte. So konnte ich gleich weiter fahren zum letzten Bahnhof für heute: Grimmenthal. Oh Schreck, was war denn hier los. Bauzäune und Sandhaufen verhießen nichts Gutes. Und richtig, hier kam ich eindeutig zu spät, andererseits aber auch genau richtig, um mich über unsere liebe Bahn zu wundern. Gleistechnisch war hier kein Stein auf dem anderen geblieben. Jedes Gleis war komplett erneuert worden und das Gleisbild war deutlich einfacher. Die alten Bahnsteige waren neuen DB-Einheits-(Schönwetter-)bahnsteigen gewichen. Nicht einmal das Empfangsgebäude hatte überlebt, davon stand nur noch ein Teil der Grundmauer. Die Einzigen, die weiterhin trotzig von früheren Zeiten kündeten, waren die guten alten Formsignale! Die Bahn hatte doch glatt um die alten Signale drum herum gebaut!

neu und alt in Grimmenthal

16:45 -- allerhöchste Zeit, wenn ich noch im Hellen zurück im Hotel in Manebach sein wollte. Ab auf die Autobahn und flinke Räder bis Ilmenau. Das letzte Stück bis Manebach fuhr ich dann doch wieder im Dunkeln. Na dann, Schluß für heute.




Sonntag, 10.02.

Guten Morgen liebe Sonne. Ein strahlend schöner Tag erwachte. Auch heute war Scheibenkratzen als Frühsport angesagt. Zuerst wollte ich noch ein paar Häuser in Manebach aufnehmen. Da war es wieder, das Misstrauen: "Warum fotografieren Sie das Haus?" Bei dem Tonfall lagen mir zwei mögliche Antworten auf der Zunge, aber ich blieb dann doch bei der Wahrheit. Was hätte ich auch sagen sollen? Etwa: ich bin der liebe Onkel aus Gütersloh und will mein Haus wieder? Oder dann doch lieber: ich muss doch wissen, wie man hier am besten einbrechen kann? Was erwarten denn die Leute? Sitzt das Misstrauen gegen alle Fremden immer noch so tief?
Sei's drum, ab zu den letzten 12 Bahnhöfen. Als Erster stand Ilmenau Bad auf dem Programm und war schnell erledigt.
Gleich danach stand ich am Ilmenauer Bahnhof und war froh, hier nicht auf Spurensuche nach den Gleisverläufen gehen zu müssen -- Kahlschlag. Ein moderner Triebwagen verhinderte den freien Blick auf den Bahnhof, so musste ich bis zu seiner Abfahrt eine kleine Zwangspause einlegen.
In Ilmenau Roda war das spannendste die Suche nach dem "Bahnhof". Der typische Wald- und Wiesenbahnsteig, einzig aufgepeppt duch ein hellblau umrandetes Stationsschild. Das nenn' ich mal kostengünstige Modernisierung ;-))
So setzte ich in Elgersburg keine großen Erwartungen, doch hier lagen doch tatsächlich neue Gleise! Die Ausfahrt nach Ilmenau war sogar neu trassiert worden.

Übergang in Elgersburg

Der Haltepunkt in Geraberg war schnell abgefertigt. Aus dem ehemaligen EG sah mich ein verschlafenes und ungläubiges Gesicht an. Ich legte die Kamera an und ließ ihm ein paar Augenblicke, um den Kopf einzuziehen. Nichts da, er wollte offenbar mit auf's Bild. Auch gut.
Der Haltepunkt in Martinroda war genau das, was ich erwartet hatte. Einöde weitab vom eigentlichen Dorf. Wer hier in die Bahn steigt, muss gut zu Fuß sein. Klingt wie ein Widerspruch und ist vermutlich auch einer. Wir werden sehen, wie lange hier noch Züge halten.
Ein kurzer Abstecher brachte mich zum Viadukt in Angelroda. Das dürfte wohl die höchste Brücke auf der ganzen Strecke sein. Hübsch anzusehen, doch die Zeit drängt.
In Plaue hatte wieder mal der Kahlschlagteufel in Gestalt der DB AG zugeschlagen. Zwei Gleise hatten sie übrig gelassen. Wenigstens das alte Empfangsgebäude stand noch und es fanden sich sogar ein paar Fahrgäste ein.
In Gräfenroda das gleiche Bild nur ohne Fahrgäste, dafür mit ein paar Hobbybastlern, die auf der nicht mehr benötigten Laderampe an ihrem Trabant rumschraubten. Das Gleisbild, das die DB in Gräfenroda übriggelassen hat, wird sich mir vielleicht auch irgendwann erschliessen, logisch finde ich es nicht gerade.
Was soll man zu Dörrberg sagen? Der Ort ist ungefähr so spannend, wie einem Floh beim Pinkeln zuzusehen und der Haltepunkt passt dazu, wie die Faust aufs Auge. Auf dem Weg nach Gehlberg kam ich dann an den hohen Stützwänden der Bahntrasse vorbei, die natürlich auch für das Add-On ein Muß sind.

Stützwand vor Gehlberg

Auch in Gehlberg hatte sich einiges verändert. Der Zwischenbahnsteig für die Richtung Oberhof war einem Außenbahnsteig gewichen. Das Ladestraßengleis und das Rückdrückgleis waren verschwunden. Ansonsten gab es in Gehlberg noch nie viel mehr, so konnte man auch nichts abreißen.
Jetzt stand ein großer Umweg an, denn ich konnte ja schließlich nicht den direkte Weg durch den Brandleitetunnel nehmen (hätte sicher zu Missverständnissen geführt). So musste ich über den rund hundert Meter höher gelegenen Ort Gehlberg und über die Schmücke fahren. Bald war ich auf 942 Meter Höhe angelangt und fand mich im Schnee wieder.
Heute am Sonntag, kurz nach der Mittagszeit waren viele Familien auf den Beinen. Die Väter luden Kind und Kegel, Schlitten und Skier aus den am Wegesrand abgestellten Autos, um mit der Familie zu einem Nachmittagsspaziergang im Schnee aufzubrechen. Dazu strahlende Sonne, wer konnte es ihnen verdenken.
Endlich war Oberhof erreicht. Der Bahnhof hatte die Modernisierungswut der DB überraschend gut überstanden. So gab es reichlich Aufnahmewinkel, aus denen das schmucke Empfangsgebäude auf den Film wollte (ach nein, ist ja ein Chip). Manchmal, wie auch an den Tagen zuvor, schien die Sonne schon fast zu intensiv. Die auch während der Mittagszeit tiefstehende Sonne zwang des öfteren zu Gegenlichtaufnahmen. Hier in Oberhof hatten sich sogar ein paar Fahrgäste eingefunden, was, wie ich unterwegs beobachten konnte durchaus nicht selbstverständlich ist.

Bahnhof Oberhof


Einfahrt in den Brandleitetunnel

Auf zum letzen Bahnhof: Zella-Mehlis. Der Bahnhof hatte neue Bahnsteige erhalten, selbstverständlich ohne Dach. Wer braucht das schon? Ansonsten schien sich rund um den Bahnhof nicht viel verändert zu haben. Einige Anschlußgleise waren verschwunden, aus manchen Weichen war eine Zunge ausgebaut, das war's aber auch. So fanden noch einige Motive den Weg in meine Kamera. Inzwischen war es 14:55, höchste Zeit für den Heimweg. Nach 395 km stand ich um 18:30 wieder vor der Haustür, geschafft, aber auch froh über diesen Kurztrip mit seinen vielen interessanten Eindrücken. Die Erkundung hat mir viel Spaß gemacht. Nun an die Arbeit.



Noch ein paar Fakten:
Dauer der Erkundung: 3 Tage
Kilometerleistung: 1095 km
Bilder: 1260
Datenmenge: 2,39 GB

Bis zum nächsten Mal, vielleicht in Ihrer Nähe

Michael Zelm